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Fahrradtour durch Schweden 2001
Unseren Skoda haben wir bei den Verwanden in Hohenmistorf bei Teterow geparkt. Onkel Siegfried läßt es kalt, dass wir hunderte Kilometer in Schweden mit dem Rad fahren wollen. Aber dass die 60 km bis Rostock tatsächlich radeln wollen, kann er nicht verstehen und will uns am liebsten mit dem Auto hinbringen.

Wir sind dann viel zu zeitig in Rostock und haben nach einem Stadtbummel noch Zeit, an den Ostseestrand zu fahren und zu baden. Martina und Markus (13 und 14 J.) spielen im Sand am Strand wie die Kleinen.
Mit der Nachtfähre, auf der wir ein ruhiges Plätzchen für unseren Schlafsack fanden, gelangten wir sprichwörtlich im Schlaf nach Trelleburg.
Auf gut angelegten Radwegen fuhren wir am Morgen an der Ostsee entlang. Etwas übernächtigt waren wir doch und schliefen etwas am Strand. Das Wasser ist zum Baden etwas kühl.
Später bogen wir nordwestlich ins Inland ab. Wir haben keinen festen Routenplan. Am Morgen haben wir jedoch in Trelleburg zwei deutsche Radfahrer getroffen, die schon zum zweiten mal diesem ausgeschilderten Radweg folgen wollen, weil er so schön ist. Warum sollen es wir da nicht auch probieren?
Wir kamen nun über viele Hügel, die zwar nicht hoch waren, aber in ihrer Anzahl schlauchten. Wenn man bei der Abfahrt viel Schwung bekam, konnte man fast ohne Treten den nächsten „Gipfel" erreichen. In einem etwa 500 m großem Abstand kamen wir an einem Haus vorbei, meist bunt angestrichene kleine Holzhäuser mit Blumen davor. Die Zäune sind aus Findlingen errichtet. Die Postautos haben das Lenkrad rechts, damit der Fahrer ohne Auszusteigen die Post einwerfen kann. Die meisten der Hausbriefkästen sind wunderschön bunt bemalt und stehen immer am Straßenrand.
Wir haben eine Landkarte, auf der die öffentlichen Badestellen eingezeichnet sind. Bald stellen wir fest, dass die Badestellen immer mit Toiletten und Umkleidekabinen (praktisch für uns bei Regen) versehen sind und kaum frequentiert werden. Für uns stellen diese Plätze die besten Stellen für unser Zelt dar, und wir gewöhnen uns an, dort zu nächtigen.
Die Landschaft mit dem vielen Wald und den zahlreichen sauberen Seen, die zum Baden einladen, gefällt uns sehr. Außerdem ist das Klima sehr angenehm. Vor den Mücken hat man uns in Deutschland immer wieder gewarnt. Deshalb haben wir jeder ein Mückenspray, Mückenstift und Kühlgeel mit. Doch Mückenstiche hatten wir fast nie.. Täglich legen wir etwa 100 km mit den Rädern zurück. Dienstag, 14.08.2001:

Nach 9 Tagen befanden wir uns nach 875 km langer Fahrt am Nordufer des Vättern - Sees mit Zielrichtung Osten (Norwegen). Die Nacht verbrachten wir wieder auf einem „Badeplats" bei Raförd. Spätestens 20 Uhr stellen wir immer das Zelt auf, um noch beim letzten Sonnenschein Abendbrot essen zu können.

Seit wir in Schweden sind, haben wir uns angewöhnt, eine gewaltige Menge von Brot zu essen. Dazu gibt es Instantnudelsuppe (aus dem tschechischen Supermarkt zu 24 Pfennige das Stück). Wir zelten malerisch an einem Badesee. Allerdings befand sich gegenüber vom See eine Papierfabrik, die die Nacht durcharbeitete.
Am Morgen starteten wir bei Sprühregen, das Frühstück hatte uns Markus in der Umkleidekabine zubereitet. In Svarta schien schon wieder die Sonne. Vor dem „Landhantel" (= schwedisches Wort für Dorfkonsum) frühstückten wir ein Brot und 14 Eis (im Großpack ist das Eis richtig billig). In Kristinehamn trafen wir eine Radtour mit Hänger (Pärchen) aus Freiberg. Sie bezeichneten das Wetter der letzten Woche mit „schlecht", wir mit „gut". Die Stimmung ließ sich ebenso beschreiben. Als wir weiter fuhren, bemerkten wir, dass die aufdringlichen dohlenartigen Vögel unser Brot im Beutel angehakt hatten. Mit diesen „Hakern" hatten wir später noch mehrmals Probleme... Wir folgten dem Radweg nach Karlstadt und fanden so die Kapelle von Ostervik, einen historischen Landhantel und sahen viel von der Natur am Vätternsee.
15.8.2001: Wir frühstückten heute mit den Rehen auf der Wiese. Die moos- und heidekrautbewachsenen Felsen bildeten die Kulisse. Wir besichtigten wir „Karlstad", der Radweg führte uns direkt ins Zentrum. Leider aber haben Vandalen ein Großteil der Hinweisschilder beschmiert. Heute fuhren wir relativ oft viel befahrene Straßen, sahen aber wieder zahlreiche Greifvögel. 10 km vor Amal (Kilometerstand 1140) stellten wir unser Zelt vor einem solch malerischen See auf, als solle es für einen Katalog photographiert werden. Das Zuggleis in der Nähe stellte sich als Draisine - Strecke heraus. Wir gingen nackig baden, doch unser Sohn war darüber empört und spielte sich als Moralapostel auf. Markus schlief in seiner vom Großvater geschenkten Hängematte zwischen zwei Bäumen direkt am Wasser.
Das war jedoch sein letzter Versuch, die Hängematte als praktische Übernachtungsmöglichkeit zu erschließen. Schließlich schlief er unter der Matte, der Rücken tat ihm weh. Vor einigen Tagen hatte er auch mal darauf bestanden, in der Hängematte zu schlafen. Uwe hatte ihn extra in eine wasserdichte Kunstlederplane (G 30) eingehüllt, weil es nach Regen aussah. Als es am Morgen wie aus Eimern schüttete, fragte ich mich (warm und trocken im Zelt), wie es Markus ginge. Aber mein innerer Schweinehund ließ mich weiterschlummern. Eine Stunde später entdeckten wir Markus, noch immer auf der Hängematte, auf ihm waren wie in einem Boot mindestens 10 Liter Regenwasser...
Hier im Stara - Lee - Nationalpark gibt es zahllose Seen, man weiß gar nicht, wo einer anfängt und einer aufhört. Und weil es heute so schön warm war, haben wir bis Mittag schon in drei verschiedenen gebadet. Die Straße nach Ed durch den Nationalpark ist wenig befahren, nach langen Anstiegen folgten herrliche Abfahrten. Wegen Gewitter aßen wir Abendbrot in Ed (Bratwurst). Wir zelteten an einem kleine See. Die Nachbarn (die wir gefragt hatten, ob wir zelten dürfen) haben erzählt, dass gestern ein Auto einen Elch umgefahren hat und leider, leider der Elch verletzt war. Gleich nach Zeltaufbau (Kilometerstand 1216) gingen wir schlafen.
In der Nacht mußten wir trotz Sprühregen das Zelt umbauen, denn Markus lag im Vorzelt mit dem Kopf in einem Ameisenhaufen. Am späten Vormittag erreichten wir Norwegen, dass wir wenigstens eine kurze Stippvisite abstatten wollen. Fast unmerklich passierten wir die Grenze. Wir fuhren durch bergigen Wälder 30 km weiter in die wunderschöne Stadt Halden.
Vor der letzten Abfahrt konnten wir schon den großen Idefjord sehen, er reicht bis in die Stadt hinein. Am alten, malerischen Fischerhafen unterhalb der Burg tranken wir auf einem Gaststättenschiff Kaffee und genossen das Ambiente. Markus sammelte sich norwegische Münzen. Entlang des Fjordes radelten wir die 30 km wieder zurück nach Schweden. Samstag, 18.8.2001: Heute radelten wir durch die herrliche Fjordlandschaft.
Teilweise reicht der glattgeschliffene, nur mit Heidekraut bewachsenen Felsen bis ins Wasser. Überall sind malerische Inseln zu entdecken. Das Salzwasser erschien mir nicht so sauber. Aber Markus war baden und holte Miesmuschel aus dem Wasser, die ich zum Abendbrot kochen sollte. Für mich war es das größte Ereignis, über die Hängebrücken zur und von der Insel Orust zu fahren und durch einen langen Tunnel auf der Autospur. Uwe hat Probleme mit dem Tretlager, und er hat einen tretarmen Fahrstil entwickelt. Zum Glück gab es zwischen den Fjorden nur kurze Anstiege. Seltsamerweise haben wir immer nur Gegenwind, so genannten Bauchwind. Die windgepeitschten Bäume lassen ahnen, dass es hier viel weht. Der Slogan der Fahrradfahrer scheint doch wahr zu sein: „Und der Wind kommt immer von vorne." Wir übernachten am Fjord vor Stnungssund.
Sonntag, 19.8.2001:
Auch heute wurde der Schlafsack von Markus wieder naß. Das 2 - Mann - Bikezelt ist für uns Vier wirklich zu eng. Markus´s superleichtes Einmannzelt hat sich als wasserdurchlässige große Zelophantüte herausgestellt, und auch seine Hängematte war ein Flop.
Heute war es schon am Morgen so warm, dass wir bereits nach 18 km Fahrt Badepause machten. Gut ausgeschildert, auf Radwegen, aber trotzdem unschön durch die Gewerbegebiete, fuhren wir in die Großstadt Göteborg. Gleich sahen wir einen Taschendieb und ließen danach die Räder nicht mehr aus den Augen. Außer einem modernen Einkaufszentrum war der Hafen sehenswert. Wir besichtigten hier auch das größte Schiffahrtsmuseum der Welt, unter anderem mit Kriegsschiff und U - Boot. Die „Hacker" schlugen mal wieder zu und haben das in einer Tüte eingewickelte Brot auf dem Fahrradgepäckträger während der Rast angefressen.

Auf schönen Radwegen an der Westküste entlang - super hergerichtet und ausgeschildert - ging es eben dahin Richtung Süden. Den Anwohner, den wir um Wasser baten, verriet uns ein kleines schönes Fleckchen zum Zelten im Wald. Bisher haben wir 1500 km geschafft.
20.8.2001:
Heute ging es nach Kungsbacka. Dort wurde Uwes Rad beim Fahrradhändler für 500 Kronen „repariert". Nun wackelte das Tretlager weniger, aber vorn ist nur noch der kleinste Gang benutzbar. Das Gewinde am Rahmen ist hin. Abei Asa badeten wir viele Stunden am herrlichen Strand.

Deshalb schafften wir heute nur 78 km. Abends ging es noch durch die schöne Stadt Varberg, vorbei an der mächtigen Festung. Mangels Wald und wegen verbautem Strand zelteten wir bei einer Baumgruppe hinter einem Containerplatz und schliefen besser als gedacht. Im Touristenbüro erhielten wir ein Prospekt vom „Ginster - Radweg", dem folgen wir jetzt entlang der Westküste und sehen so die schönsten Plätze. 5 Stunden badeten wir an einem herrlichen und menschenleeren Strand (20 Grad Wassertemperatur), in den heidebewachsenen Dünen suchte Markus nach „Schätzen". Abends zelteten wir am Strand neben einem Naturreservat. Vorher holten Martina und ich Wasser und lehnten uns dabei an ein frisch gestrichenes Geländer.
Mittwoch, der 22.8.2001:
Heute machten wir lange Pause am Melby - Strand und kochten sogar unsere Nudeln am FKK - Strand. Der Radweg führte malerisch am Meer entlang, vorbei an bunten, hübschen Holzhäusern, weidenden Kühen und vielen Wasservögeln. Unterhalb von Ängelholm zelteten wir am Kiefernwäldchen direkt am Strand. Abends gab es tschechische Beutel - Gulaschsuppe mit chinesischen Nudeln und schwedischem Brot. Nachts leuchteten die Sterne, und wir schliefen bei Meeresrauschen.

Donnerstag, den 23.8.2002:
Früh war das Wetter trüb. Markus, unser ewig Hungrige, aß fast ein ganzes Brot allein zum Frühstück. So konnte dann auch die Sonne wieder scheinen. Nach 1785 km erreichten wir Helsingborg, der „Perle im Sund". Hier war gerade ein Dixiland - Festival, und wir tranken Kaffee bei Musik. Abends zelteten wir an einem Wäldchen bei einer Kuhweide Blickrichtung Dänemark.
Man konnte die beleuchtete Hauptstadt sehen und wie die Flugzeuge starteten und landeten. Leider haben wir keine Zeit mehr, Dänemark zu besuchen. Telefonisch haben wir die Fähre zurück nach Rostock gebucht. In Trelleburg kommen wir wieder genau bei der Fußgängerzone bei den Schirmen an - aber aus der entgegengesetzten Richtung! So schließt sich der Kreis. Die Fähre bringt uns in der Nacht gut zurück nach Deutschland. Wir haben erst die Sauna auf dem Schiff besucht, dann üppig gespeist (die noch in Trelleburg besorgten Leckerein) und es uns dann in den Schlafsäcken im Tischtennisraum (mit zwei Tschechen) gemütlich gemacht.
Am Vormittag radelten wir zurück nach Hohenmistorf, was wir nach insgesamt 2003 km erreichten. Dort blieben da noch eine Nacht und fuhren am nächsten Tag nach Haus, mit dem Auto.
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