Saaleradweg 2005

Radtour Mai 2005

Im Frühling auf dem Saaleradweg (550 km)

Von der Mündung zur Quelle der Saale

Durch die Länder Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt führt der Radweg entlang der Saale vom Waldsteingebirge durch den Frankenwald, den Thüringer Wald bis zur Mündung in die Elbe im Halleschen Tiefland.

1.   Tag: Samstag, den 14.05.05
(63 km)

Uwe arbeitet noch von 3 bis 6 Uhr, um dringende Terminsachen zu erledigen. Ich habe alles für die Radtour gepackt, und Uwe weiß gar nicht, was er dabei hat.

Wir haben vor, die Saale von der Mündung bis zur Quelle (die sich nur 20 km von unserem Wohnort befindet,) abzuradeln, um statt 80 Euro nur 30 für ein Wochenendticket zu zahlen. Am Neuenmarkter Bahnhof sehen wir unseren Zug davonfahren, da nehmen wir 6 Minuten später spontan den Zug in die Gegenrichtung. Und siehe da: Die Internetauskunft hat uns nicht die beste Verbindung erstellt, denn auf diesem Weg müssen wir nur dreimal (statt fünfmal) umsteigen und sind eine Stunde zeitiger am Zielbahnhof.

Kaum in DESSAU angekommen, setzt der Regen ein, der bis abends nicht aufhört. In Dessau besichtigen wir das „Bauhaus“, das erste eines ganzen Baustils, aber es sieht kaum anders aus als ein moderner Bau.

Auf dem schnurgeraden Elbe - Radweg entlang einer Forststraße fahren wir zügig nach AKEN. Dort setzen wir mit der Fähre über die Elbe. Es ist die erste vieler Fährüberfahrten, das wissen wir aber noch nicht, denn wir haben uns weder die Saale - Radwegkarte gekauft oder uns sonstwie über den Radweg erkundigt. Wir nutzen eine Aldi – Landkarte von 1994. Durch die Auenwälder radeln wir weiter nach WALTERNIENBURG, wo gerade ein Ritterfest ist. Wegen des Regens halten wir uns nur kurz auf, setzen dann mit der Fähre nach BARBY  über. Bis hierher sind wir 45 km geradelt. Wir folgen 1 km einem kleinen Weg links der Fährstelle bis Saale - Mündungzur Saalemündung in die Elbe und sehen gleich einen Komeran. Hier am „Saalehorn“ beginnt der Saaleradweg. Leider ist er schlecht ausgeschildert. Ich hinten auf dem Tandem kann die sehenswerte flache Flussflandschaft betrachten, aber Uwe muss mehr auf die löchrigen Betonplatten und das Kopfsteinpflaster achten.

In GROß ROSENBURG führt uns der Radweg zur Fähre, aber die ist nur bis 17 Uhr in Betrieb: Es ist schon 17.30 Uhr. Also zurück im strömenden Regen.

Eine Stunde später erreichen wir CALBE. In der Grillbar trocknen wir langsam wieder, lassen uns das Köstritzer Schwarzbier schmecken und essen ein Schnitzel. Eine Bushaltestelle zum Übernachten haben wir uns schon vorher am ruhigen Ortseingang ausgesucht.

2.   Tag: Sonntag, den 15.05.2005 (118 km)

Unsere Bushaltestelle ist trocken, aber ich wache bei jedem vorbeifahrenden Auto auf, also rund dreißigmal, während die Betonhütte von Uwes Schnarchen erzittert. Ihn stört nicht einmal das Geräusch unter seiner Matte: Da hat es sich eine gefleckte Kröte gemütlich gemacht.

Den Morgenkaffee schlürfen wir heiß wegen vergessener Tassen aus den Trinkflaschen. Das ist unpraktisch, denn der Satz wird immer wieder aufgerührt.

Im menschenleeren CALBE besichtigen wir den 3 m großen Roland auf dem Markt. Es regnet wie gehabt. Der Weg führt durchs flache Land, Felder und Windräder, soweit das Auge reicht. Die Wege sind teilweise aufgeweicht, wir weichen manchmal auf die Straße aus. In BERNBURG frühstücken wir im MC Donnels und kommen hungriger raus als rein, aber der Regen hat nun endlich aufgehört. Der Saaleradweg ist nur unvollkommen ausgeschildert, und wir bleiben nicht immer auf dem korrekten Weg. Einmal bleiben wir es doch, obwohl die anderen Leute die Fähre nehmen. Warum tun die das? Bald wissen wir es, denn der Radweg ist ein Schlammweg aus rotem Lehm voller Pfützen. Trotz höchster Konzentration rutscht Uwe mit dem Tandem weg und reißt mich mit in den Schlamm hinein. Es ist nichts weiter passiert, nur, wir sind nicht mehr „städtefein“. Trotzdem suchen wir in WETTIN, einem malerischen Ort mit großer Burg, das beste Lokal auf und setzen uns – da wir nicht vorbestellt haben und uns nicht abwimmeln lassen – zu feinen Herrschaften an den Tisch…
Nach der Fährüberfahrt radeln wir über Dorfkopfsteinpflasterstraßen nach SALZMÜNDE und an vielen Gartenanlagen vorbei, wo Muttis Thermoskannen und Kuchen in die Parzellen tragen, nach HALLE. Es herrscht reges Treiben auf dem Marktplatz, obwohl der voller Baustellen ist. Wir wollen einen Kaffee trinken, aber nur ich bekomme einen, die Bedienung rafft es einfach nicht. Die jungen Leute an unserem Tisch sind sehr nett und weisen uns den Weg zurück zum Radweg.

Durch die Plattenbausiedlungen geht es aus Halle heraus. Das riesige Kraftwerk und der Chemiebetrieb BUNA stehen in Nachbarschaft zu einer wunderschönen alten Weidenallee. Wir beobachten, wie ein Silberreiher im flachen Wasser einen Fisch fängt. Die Gegensätze sind riesengroß: Hier der Chemiebetrieb und da idyllische Flusslandschaft, in Halle schöne alte Häuser neben trostlosen Plattenbauten.

Viele Raubvögel haben wir heute schon am Saaleufer beobachtet. An Wasserkraftwerken und Schleusen kommen wir immer wieder vorbei. Radler treffen wir nur ganz wenige.

In MERSEBURG beeindrucken uns Dom und Schloss, und in LEUNA finden wir auch wieder den Radweg. Die Sonne scheint, doch ab und zu kommen mal paar dunkle Wolken, und es fallen ein paar Tropfen.
Kurz vor BAD DÜRRENBERG finden wir unter einem Brückenbogen ein trockenes Nachtlager, doch vorher schlagen wir uns noch beim „Griechen“ voll.
Wir legen uns am Saaleufer in der fast malerischen Kulisse der hell erleuchteten Chemiebetriebe von Leuna schlafen.

3.   Tag: Montag, den 16.04.2005 (100 km)

Wir haben gut geschlafen und frühstücken im Sonnenschein. An den alten Salineschächten von BAD DÜRRENBERG beginnend führt der Radweg auf dem Wanderweg sehr romantisch im Saaletal entlang. Die Fähre sollen wir nehmen, um auf dem Saaleradweg zu bleiben. Sie ist aber nicht für ein Tandem mit Hänger geeignet, selbst normale Räder mit Gepäck dürften nicht leicht hinaufzuheben sein. Als radeln wir auf Feldwegen weiter und kommen zufällig zu einer kleinen Bockwindmühle in SCHELLSITZ, deren Flügel sich knatternd im Wind drehen. Wir „gehen fremd“ auf dem Unstrutradweg. An schönen sonnigen Weinbergen vorbei und durch die Altstadt von FREYBURG fahren wir zur Zscheiplizter Mühle. Das ist die größte noch mit Wasserkraft betriebene Mühle in Deutschland, und heute ist „Mühlenfest“. Wir essen warmes Mühlenbrot während wir die zaghaften Paddler in der Schleuse und die mutigen Paddler auf der Fahrt über das Wehr beobachten.
Heute am sonnigen Pfingstmontag sind massenhaft Radfahrer unterwegs. Im Bogen  mit der Saale fahren wir um NAUMBURG herum mit Sicht auf den Dom. Ich fürchte, wir fahren Fußgänger und Rad fahrende Kinder um, so viele sind unterwegs.
In BAD KÖSEN, an den restaurierten Wasserrädern, trinken wir im schattigen Biergarten gut Kaffee und essen Thüringer Rostbratwürste. So gestärkt schieben wir (d. h. Uwe schiebt, ich fotografiere) steil den Waldweg zur RUDELSBURG und Burg Saaleck hinauf. Wir haben einen schönen Blick auf die weit unten liegende Saale, die hier einen großen Bogen macht. Schnell rasen wir hinunter, damit die Bremsen nicht heiß werden. An der ILMMÜNDUNG verfahren wir uns leicht, finden aber in der Abendsonne auf den schönen Radweg zurück. Die Vögel singen schon ihr Abendlied und der Kuckkuck schreit und alles duftet nach Flieder und Frühling. Die Strecke ist nun hüglig, der Radweg durch den Wald ist neu angelegt und wunderbar glatt. Es freut uns, dass wir die jungen mit Rucksack radelnden Männer abgehangen haben. Kurz vor GOLMSDORF suchen wir uns an einer verlassenen Bahnstrecke neben einem klaren Bach ein Zeltplätzchen. Wir haben von hier einen schönen Blick zurück nach DORNBURG, wo oberhalb des Flusstales gleich drei Schlösser stehen. Dann erwägen wir wegen einer Dusche doch auf den Zeltplatz in Porstendorf zu gehen und fahren extra 2 km hin, aber für diesen Wohnmobilstellplatz wollen wir nicht 14 Euro bezahlen. Wir essen lieber leckren Spargel im Golmsdorfer Gasthof „Gleistal“, und der Wirt schlägt uns dann vor unseren Augen noch Weinschaumcreme auf Vanilleeis. Mit ein paar Köstritzer Schwarzbieren im Bauch schlafen wir dann an der alten Bahnstrecke wunderbar.

4.   Tag: Dienstag, den 17.05.2005 (98 km)

Es hat nachts stundenlang geregnet und eine Wasserlache steht im Zelt. Die Wolken hängen über den Bergen, wir frühstücken im Nieselregen. Gleich zu Beginn verfahren wir uns. An steilen Felswänden vorbei, dem „Saale Canyon“, erreichen wir erst zwei Stunden später das 20 km entfernte JENA und damit Thüringen. Da es nieselt, frühstücken wir im Café.  In Jena ist Markttag und wir schieben das Tandem durch belebten Markt und Fußgängerzone. Dann hat uns das ruhige Saaletal gleich wieder. Wir treffen nacheinander sechs uns entgegenkommende Saaleweg – Radtouren, die sind wohl alle wie wir am Pfingtsamstag gestartet, jedoch an der Quelle, so dass wir sie hier auf halber Strecke treffen.

In GROßPÜRSCHNITZ  sehen wir uns das Wasserkraftwek an und die Zimmermannfachwerkmodelle neben dem alten Lehmfachwerkhaus.

Auf kleinen Wanderwegen kommen wir nur langsam voran. Der Magen sagt, es wird höchste Zeit zum Mittagessen, auch regnet es in Strömen. Wir schieben 2 km steil hinauf über Kopfsteinpflaster nach ORLAMÜNDE, denn ein Wegweiser versprach unten: „Gasthof mit schöner Fernsicht und schattigen Biergarten“. Auf den schattigen Biergarten freuen wir uns besonders, während uns der Regen in den Kragen rinnt. Der Biergarten des Gasthofes „Erholung“ wird von einem einzigen riesigen Baum beschattet, und man hat tatsächlich einen schönen Blick ins Saaletal. Wir ziehen heute die warme gemütliche und mit prächtigen Blumen geschmückte Gaststube vor, wir sind die einzigen Gäste. Wir essen preiswert das Tagesgericht und Uwe holt sich beim Chefkoch Nachschlag, d. h. eine zweite Portion, die nicht berechnet wird.

Bei Regen kurven wir einmal um den Markt und rasen dann zur Saale hinab. Jetzt beginnt die sportliche Herausforderung: Auf einer kleinen netten Straße fahren wir langsam durch den Wald 15 km anstrengend bergauf. In LANGENSCHADE widerstehen wir trotz Regen der Versuchung, 15 km abzukürzen, und folgen brav den nicht ausgeschilderten Radweg. In KOLKWITZ kehren wir in einem wunderschönen Fachwerkbau, dem Hotel Erker ein und essen Eisbecher.

Mit Erreichen des neuen Landkreises ist die Radwegbeschilderung plötzlich sehr gut. In RUDOLFSTEIN, BAD BLANKENBURG und SAALFELD läuft der Weg so, dass wir nichts von den Innenstädten sehen und immer am Saaleufer bleiben. Bei Blankenburg gefällt Uwe die moder
ne Papierfabrik, an der wir vorbei kommen, und in Saalfeld missfallen mir die kahl geschorenen Männer mit ihren Hunden.

Am Ortsausgang von Saalfeld gehen wir in einem Hotel essen, schlafen aber woanders. 4 km weiter, in RESCHWITZ, zelten wir am Sportplatz am Saaleufer und schlafen trotz Temperaturen unter 5 Grad und Sommerschlafsäcken gut.

5.   Tag: Mittwoch, den 18.05.2005 (60 km)

7.20 Uhr sind wir schon startklar. Das Wetter ist grau, aber es regnet nicht. Der Radweg ist mit dem Internationalen Bergwanderweg Eisenach – Budapest identisch und auch eher für Wanderer geeignet. Wir schieben hoch auf 500 m und haben schöne Ausblicke. Unten in KAULSDORF, 6 km haben wir in der ersten Stunde geschafft, surren wir 6,5 km auf einem asphaltierten Radweg zur HOHENWARTETALSPERRE. Uwe sieht sich das Infozentrum des Betreiberkonzerns Vatenfall am Pumpspeicherwerk ganz genau an. An der Staumauer essen wir eine Bockwurst und folgen dann erst mal 5 km der romantischen Uferstraße. Dann geht es 300 Höhenmeter steil bergauf. Dunkel liegt der Stausee, er ist der drittgrößte Deutschlands, zwischen den steil ansteigenden Bergen. Es duftet nach Waldmeister. Auf der Höhe liegt REIZENGESCHWENDA, ein nettes Dorf mit Fachwerkhäusern, Heimatmuseum und Schenke. Kurz vor DROGNITZ steht eine nette Schutzhütte, in der man auch schlafen könnte. Wir rasen wieder zur Talsperre hinab. Extra für uns kommt die Mühlenfähre herüber und bringt uns zur Linkenmühle. Der Fährmann empfiehlt, den Dampfer nach Ziegenrück zu nehmen, wir würden zwei Berge sparen. Der Dampfer legt ohne uns oder einen anderen Passagier ab. Der erste Berg ist steil. Uwe fährt allein das Rad hoch, ich laufe hinterdrein. Nach 3 km geht es einen steinigen ausgewaschenen Wanderweg steil nach ZIEGENRÜCK hinunter, den zweiten Berg gibt es nicht. Wir kommen beim „Sattel“ heraus, einen 10 m großer rund gebogener Felsen.

In der historischen „Fernmühle“, einem rustikalen Restaurant im Gewölbekeller, speisen wir gut. Ich esse ein mit Käse überbackenes Knoblauchgemüse auf Kartoffelpuffer. Fast zwei Stunden besichtigen wir dann das Wasserkraftwerk, bei 7 Grad friert es uns langsam. Wir wollen noch Lebensmittel einkaufen, aber Mittwochnachmittag 16 Uhr ist in ZIEGENRÜCK tote Hose, alle Geschäfte zu. Auch sonst ist der Ort recht heruntergekommen, z. B. Scheiben vom historischen Rathaus eingeschlagen. In einem Dorfkonsum kriegen wir dann doch noch was und radeln weiter.

Wunderschön ist die Waldstraße links der Saale entlang. Nach 2 km entdecken wir ein Blockhäuschen mit Quelle, leider ist es zum Übernachten für uns noch zu früh. 3 km später sind wir wieder warm, denn wir schieben das Tandem den steinigen Weg nach DÖRFLAS hinauf. Hier gibt es einen Hof mit vielen Ponnys, wo Stutenmilchlikör hergestellt und verkauft wird. Auf Waldwegen kommen wir zur Bergstation der Wisenttalsperren – Pumpstation. Vor uns liegt das tief eingeschnittene Saaletal. Bald entdecken wir auch das malerische Schloss BURGK. Im Schloss wird ein Film gedreht, so sind wir im Gasthof die einzigen Urlauber, bis die Filmleute eintreffen.

Wir zelten schön mitten im Wald auf weichem Waldgras und schlafen trotz Temperaturen fas am Gefrierpunkt gut.

6.   Tag: Donnerstag, den 19.05.2005 (77 km)

Tautropfen fallen auf unser Zelt, aber dann kämpft sich die Sonne durch den Morgennebel. Wir genießen unseren türkischen Kaffee aus der Trinkflasche und essen Streuselkuchen dazu mit Blick auf Schloss Burgk und Saale. Da kommt ein Mann von etwa 55 Jahren vorbei. Er outet sich als Radwanderer nur durch seine Reisetasche auf dem Rad mit Automatikschaltung, denn er ist mit heller Jacke, Stoffhose, Schiebermütze und Lederschuhe bekleidet und fährt ganz gemächlich. Er sagt: „Ich fahre nur 10 km in der Stunde, aber nach 10 Stunden bin ich auch meine 100 Kilometer gefahren.“ Er ist erst gestern von Saalequelle gestartet und will bis Magdeburg, wo er wohnt.

Wir schauen uns beim Schloss BUEGK um, das mit seinem Fachwerk über der Saale thront. Schnell sausen wir zum Fluss hinunter und quälen uns wieder den Berg nach ISABELLENGRÜN hinauf, wo schon die erste Verschnaufpause fällig ist. Die Sonne scheint warm und wir legen gleich zwei Schichten Kleidung ab. Wieder geht’s zur Saale hinunter. Wir finden nach kurzem Suchen direkt nach der Brücke links die „Steinerne Rose“, einer seltenen Felsenformation. In SAALBURG führt der Radweg mitten durch den Campingplatz und auf Waldwegen wieder hinauf auf 500 m Höhe. Oben treffen wir eine Studentin mit Hund auf schwerem Fahrrad, sie will nach Wien. Wir fahren einige Kilometer gemeinsam.

Wunderschön führt aus die kleine Waldstraße an der BLEILOCHTALSPERRE entlang, bis ein steiler Berg nach HARRA führt. Noch ein Berg, und wir sind in BLANKENSTEIN. Im Selbitzgrund rasten wir. Genau hier beginnen der Rennsteig und der Rennsteigradweg. Auch der Euroegrensisradweg führt hier entlang. Am Bach verlief hier einst die deutsch – deutsche Grenze und es standen Mauer und Wachtürme wie in Berlin.

Über eine schmale Holzbrücke gelangen wir nach Bayern und werden gleich wieder mit „Grüß Gott“ gegrüßt. Im schattigen Tal der Selbitz geht es ordentlich bergauf, wir bleiben immer in Sichtweite des Bachlaufes mit seinen grünen Ufern und bemoosten Steinen. Die Ortschaft ganz oben, die wir schiebend und schwitzend erreichen, heißt sinnigerweise BERG. Über RUDOLPHSTEIN und EISENBÜHL geht es auf kleinen Straßen und Waldwegen bergig weiter, schöne Aussichten sind unser Lohn. Kurz nach JODITZ treffen wir auf eine schönes altes farbenfrohes Fachwerkgebäude: die FATTIGSMÜHLE mit idyllisch am Felsen und Saale gelegenen Biergarten. Nach einer Kaffeepause kaufen wir uns im Mühlenladen noch etwas zum Abendbrot ein. Die Weiterfahrt über die Saalewiesen nach HOF ist sehr schön, nur eine Fußgängerbrücke mit steilen Treppen macht uns Probleme. Wir müssen die Packtaschen abmachen, nur so kommen wir mit dem Tandem drüber. Die Stecke durch HOF ist gut markiert und auf Radwegen problemlos fahrbar. Später machen wir auf einer Wiese in der Abendsonne unser Abendbrotpicknick. Wir radeln gemütlich weiter hinauf nach SELBITZ, wo wir schon den Turm vom Waldsteingipfel, neben dem die Saale entspringt, entdecken. Wir sind fast zu Hause, aber die restlichen 35 km müssen wir heute nicht mehr schaffen. Wir bauen das nasse Zelt am Waldrand auf weichen Waldgraspolstern auf und gehen schlafen.

7.   Tag: Freitag, den 20.05.2005 (35 km)

Am Morgen scheint schon die Sonne und das Zelt ist fast trocken. Neben unserem Frühstücksplatz stürzen sich im Minutentakt Meiseneltern in einen hohlen Baumstumpf, um ihre Jungen zu füttern.

Wir durchradeln noch drei Dörfer, und schon sind wir in ZELL. Im Bäcker kaufen wir uns frischen Kuchen, und 15 Minuten später erreichen wir über einen Wanderweg schiebend die Saalequelle mitten im Wald. Mich wundert wieder, wie viel Wasser der Quellfassung kommt, die dreifache Menge wie bei der Elbquelle. Wir genießen unseren Kuchen als Siegesprämie,

20 km und eine Stunde später erreichen wir schon unser Heimatdorf, wo gleich daheim dringend der Rasen gemäht werden muss.

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