Mainradweg 2007

Zu Ostern auf dem Main – Radweg 2007

Anfang April haben wir eine Woche Urlaub. Für einen Winterurlaub ist dieser Termin zu spät. Für eine Radtour ist er fast zu zeitig. Wenn wir jedoch nicht im Zelt schlafen, müsste es gehen. Die Übernachtungen in Pension und Hotel können wir uns nicht leisten, aber da haben wir ja vor Kurzem etwas über den ADFC-Dachgeberverband gelesen und sind Mitglied geworden (12 Euro Beitrag im Jahr). In diesem Dachgeberverband sind 2500 Leute, die kostenlos eine Übernachtungsmöglichkeit für Radfahrer bereitstellen und dafür wieder kostenfrei bei den anderen Dachgebern schlafen können. Ob das funktioniert? Da wir schon 7 Jahre nahe der Mainquelle wohnen, aber den Main noch nie abgefahren haben, wollen wir nun diese eine Woche dafür nutzen. Ich suche aus dem Büchlein des Dachgeberverbandes sechs Adressen entlang des Mains heraus und sende jedem eine E-Mail gleichen Inhalts. Schon am nächsten Tag haben wir drei nette Zusagen. Absagen kommen auch, sodass ich noch mal zwei andere Leute anschreibe. Als wir starten, haben wir nur für eine Nacht kein Quartier. Wir hoffen, dass sich noch etwas kurzfristig telefonisch ergibt, die Zeltausrüstung haben wir für den „Notfall“ dabei.

Wir starten am Ostermontag um 9 Uhr bei 4 Grad Celsius. Dick eingemummt sitzen wir auf unserem Tandem, als wir die 4 km von zu Hause aus zum Main hinabrasen. Vor Kulmbach wird es uns schon warm, und eine Klamotte nach der anderen verschwindet in den Packtaschen. Als wir nach zweieinhalb Stunden Waismain (40 km) erreichen und uns den wunderschönen Osterbrunnen mit vielen hunderten handbemalten echten Eiern besehen, sind wir kurzärmlig. Wir wollen nur kurz bei Bekannten vorbeischauen, doch die haben ein schönes Mittagessen mit Nachtisch -Eis und Kaffee- vorbereitet. Es ist inzwischen so warm, dass wir auf der Terrasse essen können. Herzlich werden wir verabschiedet.

Die Beschilderung des Main-Radweges ist unübersichtlich, aber wir haben uns einen bikeline-Führer geborgt, sodass wir uns eigentlich nie verfahren können, bzw. rasch wieder auf den Radweg zurückfinden, außerdem haben wir fast immer Blickkontakt mit dem Main. Romantisch geht es einen Waldweg nach Hochstadt direkt am Fluss entlang. Wir wissen da noch nicht, dass dies fast der einzige nicht asphaltierte Streckenabschnitt ist. In Schwürbitz radeln wir durch die Ortsmitte, wo bunt geschmückte freundliche Fachwerkhäuser die Gassen säumen, und natürlich fehlt auch nicht ein Osterbrunnen. Abseits vom Verkehr erreichen wir die Korbstadt Michelau, wo wir den Mainweg verlassen und in die Haßberge abbiegen. Der Aufstieg nach Buch bringt uns ins Schwitzen. In der Ferne erblicken wir den Staffelberg und Kloster Banz. Von Untersiemau geht es nochmals bergauf (Wie können doch 200 Höhenmeter anstrengend sein!) nach Watzendorf. Wir haben einen schönen Blick auf die Feste von Kronach. Nach einer rasant schnellen Abfahrt erreichen wir Seßlach. Weil Feiertag ist, sind die Stadttore geschlossen (Samstag 14 Uhr bis Sonntag 22 Uhr), und die Stadt ist autofrei. Auch sonst vermarktet sich das Städtchen gut, der Tourismus floriert. In der Abendsonne spazieren wir durch die Stadt und genießen unsere mitgebrachte Brotzeit.
Nach der Fahrt durch ein paar Dörfer erreichen wir Gereuth. Hier gibt es ein eindrucksvolles Wasserschloss nebst säulengeschückten Pferdeställen.
Unsere Dachgeberfamilie finden wir schnell. Wir werden herzlich aufgenommen, ein Zimmer steht für uns bereit, und zum Abendbrotessen werden wir auch noch eingeladen. Da unser Gastgeber kürzlich mit dem Liegerad entlang des Jakobsweges (3700 km) unternommen hat, gibt es viel zu erzählen. Nach 105 km schlafen wir dann gut.

2. Tag (Gereuth – Holzhausen) 85 km
Nach einem guten Frühstück werden wir herzlich verabschiedet. Die 35 km bis Bamberg fahren wir aus kleinen Straßen und einem ehemaligen Bahndamm in 2 Stunden. Dort schlendern wir durch die Stadt. Uwe ist müde schläft auf dem Markt auf einer Bank in der Sonne.
 
Auf dem nun gut ausgeschilderten Mainweg geht es auf Radwegen neben der vielbefahrenen Bundesstraße entlang.
Kurz nach Roßdorf entdecken wir hoch in den Bäumen viele hundert Reihernester. (Foto) Das ist ein Geschrei und Geschnäbel!

Nun tut uns der Hintern (Es ist die erste Radtour dieses Jahr) etwas weh.
Ein Schiff auf dem Main neben uns fährt die gleiche Geschwindigkeit. Seit der Schleuse „verfolgt“ es uns und animiert uns, mit dem Tempo nicht nachzulassen.








In Eltmann und in Zeil (schöner Osterbrunnen, Fachwerkhäuser mit Sprüchen, Fotomuseum; Foto unten) genehmigen wir uns einen Kaffee.




In Haßfurt biegen wir auf die „Cityroute“ ab, nach 200 m erreichen wir Rathaus, Marktplatz und Fußgängerzone, die sich zwischen zwei Stadttoren befinden. Nach kurzem Bummel radeln wir weiter und kommen 30 Minuten später in Holzhausen bei unserem Dachgeber an. Wir werden auch hier nett empfangen und zum Abendbrot eingeladen. Unser Gastgeber erzählt von seinen Radtouren und zeigt uns Fotos von seiner Tour durch das trostlose Kasachstan.
3. Tag: Holzhausen – Ochsenfurt (105 km)
Nach einem kräftigen Frühstück starten wir bei Sonnenschein. Der Radweg von Haßfurt nach Schweinfurt (30 km) durch Auenwälder ist landschaftlich sehr schön und romantisch.
Wir rasten auf dem Markt von Schweinfurt (Foto). Die Stadt wurde im Krieg zerstört und hat nicht so viel Sehenswertes. Es ist gerade Wochenmarkt und wir betrachten ein Brezel essend das Treiben. Uwe tauscht unsere Sättel miteinander aus, um die schmerzenden Hintern zu besänftigen.

Wir radeln weiter am Main entlang. Uwe interessiert für die Gasfabrik Walter, die auch viele Schiffe auf dem Main fahren hat, und für das Kernkraftwerk (Foto).


In Wipfeld (Foto) bringt uns die Fähre auf die andere Seite.
Bei sommerlichen Temperaturen rasten wir in Fahr mit Blick auf eine Mainfähren und kochen uns eine Minutenterrine und Kaffee.







Direkt am Kanal radeln wir bequem nach Kitzingen. Wir essen einen schönen Eisbecher. Uwe hat unterwegs eine Zeitung gefunden und will eigentlich jetzt nur sitzen und lesen, so unternehme ich allein einen Stadtbummel .5 Türme charakterisieren das Stadtbild. Im leicht schiefen Falterturm ist passenderweise das Fastnachtmuseum untergebracht.
Die letzten 18 km nach Ochsenfurt bewältigen wir in einer Stunde, doch unsere Gastgeber sind nicht zu Hause. In der Stadt wird gerade viel gebaut. Am 500 Jahre alten Rathaus gibt es ein Figurenspiel, wo zwei Ochsen jede volle Stunde mit ihren Hörnern zusammenstoßen. Wir gehen wir in einer Kneipe Abendbrotessen und erfahren so alles Wissenswerte über die Stadt. 19.45 Uhr treffen wir dann unsere Dachgeber an. Auch sie sind sehr nett. Es wird noch viel erzählt (Sie haben eine Dachgeber – Elberadtour unternommen.), bevor wir in einen neuneinhalbstündigen Schlaf fallen.
4. Tag: Ochsenfurt – Zimmern (100 km)
Nach einem guten Frühstück starten wir schon 7.30 Uhr, weil unsere Gastgeber zur Arbeit müssen.

Auf einem schönen Radweg unter lindgrünen Weiden und blühenden Kirschbäumen radeln wir nach Würzburg. Ein zweites Frühstücke im Cafe, Stadtbummel und Ausflug zur Resistenz lassen es bald Mittag werden. Wir fahren weiter am interessanten Hafen vorbei.







Durch die Weinberge und immer öfter auftauchenden Felsen geht es zur Schleuse in Himmelsstadt, wo wir uns am Osterbrunnen (Trinkwasser) unser Mittagessen kochen. Himmelsstadt ist bekannt, weil hierher die Kinder ihre Wunschzettel an den Weihnachtsmann schicken.




In der hübschen Altstadt von Karlsstadt gibt es für 1,95 € frische Erdbeertorte und Kaffee. Wir schwitzen jetzt selbst kurzärmlich, als wir uns vor dem Cafe die Torte munden lassen. Die Stadt ist von gut erhaltenen Wehrmauern und Türmen umgeben und hat viel Atmosphäre.



Eine Stunde weiter, in Lohr, wählen wir für unsere Pause im schmucken Städtchen schon den Schatten. In Lohr treffen viele Radwege zusammen, die Radler bevölkern die Cafes der Innenstadt. Wir nehmen mit einer Leberkässemmel vom Metzger vorlieb.
 Wir schlagen nach 100 km Fahrt unser Zelt auf dem Campingplatz von Zimmern auf und sind damit die Ersten dieses Jahr, die da ohne Wohnwagen schlafen. Als wir in der Abendsonne unseren Frankenwein –Bocksbeutel lehren und dabei die kleinen Ziegen im Nachbargrundstück beim Haschen und Klettern beobachten, stechen uns die Beißfliegen. Und das Mitte April!
5. Tag: Freitag, den 13.
Die Nacht war nicht zu kalt, wir haben gut geschlafen. In der taunassen Wiese frühstücken wir und starten 8.45 Uhr.

Wir radeln in der Morgensonne auf einem schönen Radweg durch einen Bärlauchwald nach Wertheim, das unterhalb einer Burgruine liegt. Die Altstadt mit den engen, verwinkelten Gassen und den Fachwerkhäusern gefällt uns gut. Auf dem Markt, neben dem kleinsten Haus Frankens (Foto), nehmen wir in einem Cafe ein zweites Frühstück ein. In Wertheim schenkt die Tauber dem Main ihr Wasser und wird nun breiter.




Wir kommen am ALFI – Werk (Thermoskannen und mehr) vorbei, wo wir den sehr günstigen Fabrikverkauf besichtigen und nur mangels Transportmöglichkeit nicht „zuschlagen“. Wenig später sehen wir zu, wie ein Schiff mit losem Weizen beladen wird (Foto unten).






In Bestenheid schieben wir das Tandem über eine enge Bahnbrücke, an dem entgegenkommenden Mofa quetschen wir uns mit Mühe vorbei.

Während wir uns Dorfprozelten nähern, steuern wir direkt auf eine bundsandsteinrote Felswand zu, die in der Sonne leuchtet.


In Callenberg halten wir auf einem Rastplatz am Main und kochen uns eine Suppe. Eine 67 Jahre alte Frau gesellt sich zu uns und erzählt uns ihr Leben mit ihrem garstigen Ehemann.
Ein Paddelboot kommt vorbei, der Regenschirm dient als Segel (Foto).

Gemütlich radeln wir nach Miltenberg (Foto). Die beschauliche Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern ist zwischen Berg und Main eingezwängt. Die Stadt kam zu Wohlstand, weil sie Zollstätte war. Bei mindestens 20 Grad schwitzen wir bei unserm Kaffee in der Sonne. Doch als wir durch die schattige Altstadt weiterfahren, strömt uns aus geöffneten Kellern und Einfahrten kalte Luft entgegen, sodass wir frösteln.
15 km weiter essen wir an der Schleuse Klingenberg Abendbrot (im Supermarkt gekaufte Brotzeit).

Unsere Dachgeberin in Kleinwallersdorf ist schnell gefunden. Wir werden im Gästezimmer gut untergebracht. Aber wir merken der Frau an, dass wir ihr ein bisschen lästig sind. Fürs Duschen sollen wir 50 Cent bezahlen.



6. Tag: Samstag, den 14. April (Kleinwallersdorf – Frankfurt) 82 km
 Am Morgen starten wir ohne Frühstück. Es ist 8.30 Uhr so warm, dass wir ohne Jacke fahren. In Aschaffenburg (Foto) frühstücken wir gut und billig in einer Bäckerei und unternehmen einen Stadtbummel.
Am Schloss Johannisburg (Foto oben) vorbei führt der Radweg idyllisch unter grünen Weiden, duftenden Flieder und rosa schimmernden Apfelbäumen entlang.
In Seligenstadt (Foto links) ist es so heiß, dass wir den Schatten suchen. In der hübschen Fachwerkstadt ist Frühlingsmarkt. Es sind viele Leute unterwegs. Auf dem Markt ist Fahrradmesse.
Am Main machen wir Picknick und Mittagsschlaf.
Auf dem sehr, sehr belebten Radweg fahren wir nach Frankfurt. Dampfer animieren zu Wettfahrten. Bald tauchen Frankfurts Hochhäuser auf. Viele Leute (80 % Ausländer) sonnen sich auf den Wiesen am Fluss, feiern und grillen. Auch in der City ist es völkerbunt.
Unseren Dachgeber in der Karl-Marx-Straße fanden wir schwer, wir suchten fast eine Stunde. Wir wurden sehr nett aufgenommen.



Sonntag: Frankfurt – Mainz (55 km)
Nach dem schönen Frühstück, zu dem wir eingeladen wurden, brachte uns unser Gastgeber Rainer (Fahrradsachverständiger von Beruf) noch an den Mainradweg.
















Der Radweg durch Frankfurt ist gut ausgebaut. Er wird auch von vielen Joggern genutzt.
Noch nach 20 km sehen wir Frankfurts Hochhäuser in der Ferne.



Einmal führt der Mainradweg über die Brücke einer Schleuse. Viele Radler nutzen diese Brücke, aber für Tandems und Radler mit Gepäck ist sie nicht geeignet (siehe Foto rechts).
Auf einem lauschigen Plätzchen am Main unter einer Weide kochen wir uns Kaffee. Aller Minute rauscht ein Flugzeug im Landeanflug nebst Schattenwurf vorbei. Ein Radler nach dem anderen kommt auf dem Radweg entlang.

Nach 3 Stunden erreichen wir den Rhein. Er ist mächtiger als vorgestellt. Am anderen Ufer sehen wir Mainz. Einmal radeln wir über den Rhein und dann wieder zurück. Dann fährt schon unser Zug.
Da der Automat kein Wochenendticket ausspuckt, fahren wir mit schlechtem Gewissen bis Frankfurt schwarz. In den Regionalexpress nach Würzburg können wir bequem stufenlos einsteigen, bzw. einradeln. Allerdings müssen wir vorher mit dem Tandem und Hänger die Rolltreppe benutzen! In Würzburg steigen wir das dritte Mal um und erreichen 19.30 Uhr problemlos Neuenmarkt. Jetzt nur noch die 7 km bergauf, dann sind wir daheim: Braun gebrannt, erholt, mit vielen schönen Eindrücken und Erlebnissen erfüllt, 650 Radelkilometern in den Waden und insgesamt nur 200 € ärmer.
 

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