Irland 2002

Fahrradtour Irland 2002

1. Urlaubstag

Reichlich müde starteten wir von Cottenau 5.20 Uhr mit dem schwerbepackten tiefhängenden Skoda. Der Turbo war sowieso schon kaputt, so trotteten wir mit höchstens 120 km/h auf der Autobahn (nein es war nicht der Turbo es war die Kraftstoffleitung). Über Nürnberg (A9, A6), Heilbronn, Saarbrücken ging's nach Paris (800 km). 22 Uhr kamen wir in Cherbourg (1200 km), der nördlichsten Stadt Frankreichs, an. Jeden Augenblick drohten wir wegen leerem Tank stehen zu bleiben, die einzigste Tankstelle funktionierte nur mit einer Tankkarte. Es „retteten“ uns aber zwei Franzosen mit ihrer Karte, sie bekamen dafür Euros von uns.
Nun stieg unsere Stimmung wieder schlagartig an. Wir fanden kurz darauf den Hafen und bauten ein Zelt im Seitengraben am kostenlosen geteerten Wohnmobilcampingplatz auf.
Im Zelt stank es furchtbar. Carmen konnte erst schlafen, als sie die Ursache gefunden und entfernt hatte: Martinas Schuh war voll Hundekacke.

2. Urlaubstag

Nach langer Rumpackerei und Frühstück checkten wir auf die Fähre nach England ein. Das ist immer ein abenteuerliches Unterfangen: An verschiedenen hunderte Meter weit entfernten Punkten auf irgendwelche Einweiser warten und schließlich die Räder flüchtig in eine abgelegene Ecke der Fähre abstellen.
Mit Schlafen verging die Zeit auf der Schnellfähre rasch, 13.15 Uhr legten wir in Portsmouth (Südengland) an.
Mit kleineren Schwierigkeiten (Sturz Carmen nach gelöster Packtasche) kamen wir entlang der See gut aus der Stadt, obwohl. wir keine Landkarte hatten. Kurz vor Southampton verfuhren wir uns aber so sehr, dass wir Leute fragen mussten. Die fuhren dann als Führer vorn weg.
In Southampton aßen wir in der Fußgängerzone neben dem historischen Stadttor Abendbrot, indem wir unsere 10er Bockwurstbüchse öffneten. Markus holte noch schnell Ketschup aus dem MC Donnels nebenan dazu. 
Nach einer Stadtrund(irr)fahrt ging's zum Fährhafen und am Wasser stadtauswärts.
Unweit vom Zeltplatz (23 Euro die Nacht) fanden wir unter Eichen einen Platz für unser Zelt und schliefen nach der 65 km langen Radtour gut.

3. Urlaubstag

Auf einer wenig befahrenen Straße radelten wir durch eine hügelige farbenfrohe Heidelandschaft, wo die halbwilden Pferde und Kühe zwischen Wachholder grasten. Wir trafen auch paar Deutsche mit Auto, die extra eine 250 km lange Fahrt gemacht hatten, um diesen New Forest zu sehen. Wir allerdings folgen ohne jede Vorbereitung nur der inzwischen gekauften Landkarte und versuchen, möglichst kleine Straßen zu benutzen und durch paar grün gezeichnete Flecken und wenig Städte zu kommen. In 5 Tagen und ca. 500 km geht unsere Fähre von Fishguard nach Irland. Diese Strecke zu schaffen, erschien uns nicht schwierig, doch kurz darauf in Downton brach Markus's Gabel. Nicht seine Gabel zum Speisen (Da hatte er keine mit.), sondern die Fahrradgabel. Uwe bekam nun den Hänger, das Gepäck wurde aufgeteilt, Markus joggte mit leerem Rad vor uns her (Durchschnittsgeschwindigkeit 11 km/h), und wir haben sogar einen Radfahrer überholt.
Später kam ein Linienbus und nahm Uwe mit dem defekten Rad nach Salisbury mit. Ein Fahrgast brachte Uwe zum Fahrradladen, wo in zweieinhalb Stunden nicht nur die Gabel sondern auch noch die Reifen vom Trailer (Platten) ausgetauscht wurden.
Die Stadt, dominierend war die Kathedrale, war sehr hübsch. Einen starken Regenschauer warteten wir vor der Italienischen Kirche ab.
Über kleine Dörfer mit klitzekleinen schilfbedeckten Häusern (z. Bsp. Bapton) und großen Schlössern (vom Warminser rasteten wir vor einem solchen) kamen wir schnell voran – bis zur nächsten Reparatur (Hängerkupplung). Dort vergaßen wir noch Uwes Sitzkissen, welches aus einer alten weitmitgewanderten DDR-Isomatte, die er als Reparaturmatte im Autoersatzteilladen Klingenthal unter dem Ladentisch gekauft hatte, geschnitten war. Diesen Verlust wird er noch ewig bejammern, nämlich immer dann, wenn er sich wo hinsetzen will und (wie wir anderen auch) keine Unterlage hat.
Nach Warminster, gegenüber des „Cley Hills“ (einem eigenartig, fast wie künstlich geformten Hügel) zelteten wir nach 91 km Fahrt unter Tannen im dichten Forst, wo in der stockdunklen Nacht komische Tiere (Dachse?) schrieen und Markus sich 26 (Sechsundzwanzig!) Zecken holte.

4.Urlaubstag

In Frome machten wir nach nur 20 km Fahrt nach Uwe ausdrücklichen Wunsch eine Stunde 2. Frühstückspause. Ihm ging's heut nicht so gut.
An einer Werkstatt ließen wir den Hänger aufpumpen, weil unsere superleichte superteure nagelneue Luftpumpe nichts taugte. Da schenkte man uns eine Markenluftpumpe.
Nach einem unheimlich steilen Berg hielten wir Mittagsrast und lagerten so alle Dinge ausbreitend und sortierend auf der Wiese, schlafend und Nudel essend. Von hier oben hatten wir einen schönen Blick auf die am Meer gelegene Großstadt Bristol.
Und dann stürzten wir uns in den Wahnsinns – Großstadtverkehr, natürlich war gerade rush-hour. Über 90 Minuten mussten wir mit voller Konzentration fahren, um nicht unter die Räder zu kommen und den Weg zu finden. Zwar ging es mal durch ein reizendes Felsental, der ohrenbetäubende Lärm verdarb trotz eines der seltenen Farradwege den Spaß. Auch entlang des Strandes waren Industriegebiete, Verkehr, Lärm. Doch endlich erreichten wir Severn – Beach. - ein Badeort, wie Carmen aus dem Ortsnamen zu erlesen glaubte. Hier wollte sie sich endlich nach 4 Tagen Waschentzug „entkrusten“, endlich mal baden, egal bei welcher Wassertemperatur. Aber das Wasser war so dreckig, dass es unmöglich war.
Landschaftlich herrlich fuhren wir am Wasser auf dem Damm und aßen ganz viele Brombeeren. Über die „New Brigde“, die England mit Wales verbindet, durften wir mit den Rädern nicht, aber 10 km weiter war eine zweite Brücke. Davor thronte ein „Burgerking“, vor dem wir  auf Carmen warten mussten, die sich in der Behindertentoilette an einem klitzekleinen Waschbecken von Haaren bis zu den Füßen komplett gewaschen hatte.
Die 3 km lange Fahrt über die Hängebrücke auf der eigenen Fahrradspur war herrlich. Unterbrochen wurde sie von einem Geburtstagsanruf an Hanno, der zuhause Haus und Tiere hütet, und einer Schlauchpanne mitten auf der Brücke. Inzwischen ging die Sonne unter während wir uns noch auf der vibrierenden Brücke befanden und eigentlich schon ein Zeltplätzchen bräuchten.
Kurz nach Cheptow (91 km) zelteten wir neben einem Sportplatz (Uwe hatte Angst, dass wir beim Schwarzzelten erwischt werden) zwischen Disteln, Brombeerranken und „Pissblumen“, welche Markus so taufte, weil sie dementsprechend stanken. Es war ein wirklich schlechter Platz.

5. Urlaubstag

Das 2. Frühstück bereitete uns ein Pflaumenbaum. Auf einer stark befahrenen Straße radelten wir zügig nach Newport am Meereseinschnitt Mouth of the Severn. Stadtbummel.
In Caerphilly besichtigten wir eine gewaltige Burganlage, die mit Wasser umgeben ist. Sehr interessant waren die alten Steinschledern und Flaschenzug.
Weiter fuhren wir nach Abertidwr. Dann unternahmen wir ein landkartenmäßiges „Kürzel“ über den „Big Hill“ (großer, großer Hügel). Den Berg, den wir erschieben mussten, war so hoch, dass wir das Meer noch mal von oben in der Ferne sahen.
In Pontypritt hatte uns de unmöglich starke Verkehr wieder. Beim „Rhondda Heritage Park“ konnten wir ihm kurz entfliehen, mussten die Räder aber dann über ein Fußgängertor heben.
Das „Rhondda – Valley“ entpuppte sich als ein total bebautes Tal. Zwischen den Häusern war kaum ein Blick auf die Landschaft zu erhaschen, der Verkehr war unerträglich.
Wir zelteten auf einem Wanderparkplatz. So konnten wir sogar mal am Tisch unsere üblichen Instantnudeln essen, uns am Bach waschen, die Aussicht auf die Berge genießen und auf einer geraden Wiese schlafen. Allerdings fuhren immer wieder Autos auf den Parkplatz. Die Pärchen stiegen nicht aus sondern gingen im Auto zur Sache. 23 Uhr trat schlagartig Ruhe ein, vielleicht war dann die Disco geschlossen?

6. Urlaubstag

Von Treochy ging es 10 km über Serpentinen bergauf in die „Black Mountains“.
 

Das war zwar körperlich anstrengend, aber endlich waren wir dem dröhnendem Verkehr entflohen und genossen die wundervolle Landschaft. Die Berge waren steil, grasbewachsen und waldlos, die kleinen Felsen gaben ihnen eine wilde Note. Herrlich schien auch die Sonne.
Oben rasteten wir auf dem Wanderparkplatz und aßen einen Müsliriegel. Da kam ein Auto, der Fahrer ließ drei Hunde raus. Die stürmten los, und einer pinkelter gleich an Uwes Lenkertasche. Da wurde Uwe böse, sehr böse, und er schimpfte wie ein Rohrspatz. Erst als der Mann merkte, dass Uwe nur Papier zum Wegwischen von ihm wollte, entschuldigte er sich.
Nach einer langen schönen Abfahrt aßen wir in Ystradgynlais gefüllte Blätterteigtaschen. Es regnete sich inzwischen ein.

Wir radelten nach Brynaman, einem Bergdorf am Rande der Black Mountains. 5 km ging es noch einmal bergauf. Die Berge schauten inzwischen wie Alpengipfel aus – waldlos und wolkenverhangen. Auf schmalen Straßen fuhren wir an tausenden Schafen vorbei und wilden Pferden, bis wir wieder im Tal ein Dorf erreichten.
Bei einer Tankstelle wollten wir wegen des Regens einen Kaffee trinken. Da stürzte Martina, zum Glück nur Schürfwunden. Auf der belebten A 40 fuhren wir 20 km im Regen weiter. Bei Pont – ar – gothi leisten wir uns einen Restaurantbesuch. Völlig tropfend gingen wir ins gute Lokal. Nach 7 Tagen hatten wir an warmer Nahrung nur Instantnuden zu uns genommen und freuten uns jetzt auf ein schönes üppiges Abendbrot. Wir bestellten das Billigste: „gekochtes Fleisch“. Als es aber als kalte Platte ankam, ließen wir es zurücknehmen. Wir aßen dann 3 mal „Pferdefußsteak“ mit gegrillter Ananas ... und 8 Tassen Tee mit Milch. Es war sehr köstlich. Als es ans Bezahlen ging, funktionierte unsere Scheckkarte nicht (wir hatten keine englische Pfund). Erst nach über 30 Minuten – inzwischen war es dunkel geworden – nahm man gnädigerweise 61 Euros. Es erschien uns dann legitim, gleich gegenüber auf der Weide zu zelten. Bei dem Preis war doch wohl der Zeltplatz inbegriffen?

7. Urlaubstag

Bei Regen radelten wir die 15 km nach Carmethan, der ältesten Stadt von Wales. Nach einem schönen Stadtbummel radelten wir auf der stark befahrenen A 40, die hier wenigstens einen Randstreifen hatte, nach St. Clears. Auf ganz, ganz kleinen Straßen ging es nun bergauf und bergab auf durch Hecken geschaffenen Hohlwegen nach Efailwen. Da es noch immer stark regnete, kehrten wir in einer kleien Imbissgaststätte ein. Leider hatten wir noch immer (fast) kein Bargeld, deshalb konnten wir 90 Minuten nur Tee trinken.
Bei Nieselregen fuhren wir in den „Pembrokeshire Coast Nationalpark“ hinein. Auch hier fanden wir die „Hohlwege“, gebildet durch heckenbewachsene Mauern links und rechts der Straße. Es ging steil auf und ab, vorbei an Schafen. Pferden, Kühen, ab und zu war auch ein Haus.
Uwe fiel ein verrostetes Schild auf. Tatsächlich fanden wir einen Steinkreis inmitten der Schafweide. Wir hatten ihn nämlich vorher in der Imbissstube auf einer Postkarte gesehen. Ein Steinkreis ist eine kreisförmige Steinsetzung vorgeschichtlicher Zeit (Jungsteinzeit, Bronzezeit). Unser Steinkreis hatte etwas 5 m Durchmesser.
 
Einen Schlafplatz fand sich auch im Nationalpark schwer. Überall Tiere, Sumpf, Häuser (verbarrikadiert: My home – my castle), außerdem stürmte es. Da wollten wir uns hinter Strohballen lagern, da kam ein Traktor und holte sie uns weg. Schließlich zelteten wir auf einer Wiese (Weide) und kochten tschechische Gulaschsuppe mit deutscher Wursteinlage.

8. Urlaubstag

Wir lachten über den Nacktschnecke an Markus's Schlafsack. Es fiel schwer, an dem trüben Tag aus dem warmen Schlafsack zu kriechen, die nassen Schuhe anzuziehen und die triefende Jacke und ins hohe nasse Gras zu tappen. Aber heute soll uns nach 500 km Fahrt in England und Wales die Fähre nach Irland bringen.
Beim Radeln wurden wir wieder warm. Auf hübschen ruhigen Sträßchen durch die grasbewachsenen sanfte Berglandschaft ging es zum 2. Steinkreis bei Crosswell. Dort liegt eine 5 t schwere Steinplatte auf drei aufrecht stehenden ca. 2,40 m hohen Steinen. Auch von hier hatte man, wie bei gestrigen Steinkreis, einen Blick aufs Meer.
 

In Fishguard repariert Uwe im Fahrradladen das Lager von Markus's Vorderrad. Im Hafen, während wir auf die verspätete Fähre warteten, war noch ein Speichenschaden und eine Acht von Markus's Hinterrad zu beheben.
 
Markus half jedoch nicht gern bei der Reparatur, sondern suchte lieber im nassen Schlick des Meeres, es war gerade Ebbe, nach Schätzen. 
Die Fähre raste dahin, und nach einer reichlichen Stunde war schon Irland (Rosslare) erreicht.
Stadtauswärts suchten wir fix ein Plätzchen für unser Zelt am Haferfeld.

9. Urlaubstag

Wegen Nieselregen frühstückten wir ausnahmsweise im Zelt. Doch bald schien die Sonne, und in einem Lädchen in Ladys Island am Meer gab es frisches Brot (und das zum Sonntag) für uns.
Irland gefiel uns gleich: kleine Straßen, wenig Verkehr, freundliche und rücksichtsvolle Autofahrer und Blumengärten.
Ein Amerikaner mit Rennrad und Rucksack stieß zu uns und radelte zwei Stunden mit uns. Zügig fuhren wir auf der R 736 nach Wellington Bridge und auf der R 733 Ballyhack. An der Personenfähre über die Warterfort Bay radelte uns der Amerikaner davon. Wir hatten zu lange die Ziege mit 4 (vier) Hörnern betrachtet. Die Autofähre setzte uns für 10 Euro nach Passage East über, Am Strand, etwas oberhalb an einem kleinen Burgturm, hielten wir Mittagspause und trockneten das nasse Zelt und die Schlafsäcke auf dem Wäscheplatz, der sich gerade dort befand. Uwe versuchte das Kugellager von Markus's Vorderrad zu reparieren, aber 7 km weiter ging gar nichts mehr, das Fahrrad ließ sich nicht mehr fahren. Wir fragten im nebenstehenden Haus um Hilfe und erhielten die Erlaubnis zum Zelten. Während Martina und Carmen die Zelte aufbauten, radelten Uwe und Markus mit dem ausgebauten Vorderrad nach Waterfort, brachten es aber unrepariert zurück (Sonntag hat der Laden zu).

10. Urlaubstag

Heute morgen war zum ersten mal früh das Zelt trocken, und wir konnten im Sonnenschein frühstücken. Dann fuhren, bzw. liefen wir die 8,5 km nach Waterfort. Waterfort ist die älteste Stadt Irlands, aber das merkt man in der modernen Innenstadt nicht. Im Bikeshop gab es neue Kugeln für das Lager, gegen Mittag setzten wir unsere Fahrt fort.
Im Seebad Tramore duschten wir auf einem Zeltplatz, wuschen und trockneten unsere Anziehsachen.
Herrlich radelten wir dann auf einer kleinen felsigen Küstenstraße am Meer entlang mit traumhaften Aussichten auf das Meer. Markus und Carmen gingen am Sandstrand (Sandstrände treten nur vereinzelt auf) in kalten Wasser (ca. 17 Grad) baden.
Weil sich immer wieder Weide an Weide reihte, fragten wir an einem Haus bei Bunmahon (etwas oberhalb des Strande) nach einem Fleck  für unser Zelt und durften auch gleich im Garten aufbauen.

11. Urlaubstag

Der Husband kam in der Nacht heim und hat nicht geschimpft, am Morgen entschuldigte er sich sogar für das schlechte Wetter.
Es nieselte wirklich den ganzen Tag über. Zunächst durchfuhren wir ein paar schöne Küstendörfer, die noch vom Tourismus unberührt sind. In Dungarvon, einer kleinen Markt- und Hafenstadt, machten wir kurz Rast. Dann ging es auf der viel befahrenen N 25 15 km bergauf (bei Nieselregen) und 17 km bergab (bei Nieselregen) bis Youghal, der „verschanzten Hafenstadt“ mit imposanten Glockenturm. Wir gingen im Pub essen, was nicht so teuer war, weil es das Wasser dazu immer gratis gibt. In der „Mobi – Dick – Orginalbar“ am Hafen tranken wir noch Kaffee, aber der Regen hörte trotzdem nicht auf.
Nach 15 km Fahrt auf kleinen Straßen fuhren wir die N 25 weiter Richtung Cork. Zum Glück gab es einen breiten Randstreifen. Wir sahen zu, wie ein Mann eine Forelle angelte. Es regnete stark, wir gaben Cork für heute auf.
Wir fragten Leute bei einem Haus und durften auch gleich im Garten unser Zelt aufbauen. Die Familie hat selbst schon mal Radtouren in Deutschland unternommen. Abends wurde mit Kind, Hund und Ball gespielt, der junge Ire besiegte Uwe und Markus im Schach. Der Hausherr brachte leckere neue Kartoffeln, von denen Markus sogar noch die Schalen aß. Dann bekamen wir auch noch ein Hähnchen.

12. Urlaubstag

Im Regen fuhren wir nach Cork (137 000 Einwohner), der zweitgrößten Stadt Irlands. Wir bummelten durch die Straßen mit den endlos vielen kleinen Geschäften. Besonders interessant war der „Englische Markt“ von 1786, ein Markthallengebäude mit unzähligen kleinen Fressständen.
11 Uhr wollten wir weiterfahren. Doch Uwe hatte einen Platten. Der Ersatzschlauch passte nicht, die Luftpumpe funktionierte kaum, es regnete, und Uwe brauchte eine Stunde. Ein paar Kilometer später: Uwe hatte wieder einen Platten und reparierte 50 Minuten im Regen bei einer Tankstelle (Dort kann man Luft aufpumpen). Zum Glück gibt es in jeder Tankstelle einen Kaffeeautomaten. Dann, 30 Minuten später, hatte Markus einen Platten. Alle paar Kilometer hieß es anhalten und pumpen mit der halb kaputten Luftpumpe. Endlich erreichten wir wieder das Meer – und Kinsale. Kinsale ist, durch die Nähe zu Cork, ein überlaufener Urlauberort. Im Bikeshop gab es mehr Angelausrüstung als Fahrradzubehör, für Uwe hatten sie keinen neuen Mantel. Uwe glaubte nämlich inzwischen , dass ihm der Mantel immer wieder die Platten beschere. Gaststätten gab es freilich mehr als genug. Im urigen Pub tranken wir Kaffee / Tee. Endlich ließ der Regen wenigstens ein wenig nach. Wir fuhren noch 12 km zu „Old Heat“ (Halbinsel), bis dorthin hatte Markus wieder zweimal einen Plattfuß. Der „Old Heat“ empfing uns mit Sturm und Regen. Die Wellen klatschten schäumend ans Ufer bis an die Straße. Wir hatten keine Wahl und zelteten schwarz auf dem Dauerzeltplatz, wo keine Rezeption zu finden war, zwischen zwei fahrbaren Einfamilienhäusern. Im Pub tauschten wir die klitschnassen Anziehsachen und wärmten uns mit Tee und Guinness wieder auf. Es gab auch ein gutes Abendbrot (Karpfen). Den ganzen Tag hatte es geregnet, besonders abends. Hier scheint es nur zu regnen. Als wir aber zum Zelt gingen, sagte Uwe: „Guckt mal!“ Und der Mond schaute vom Himmel herab.

13. Urlaubstag

Unglaublich – die Sonne schien am Morgen!
Wir frühstückten am Dauercampertisch unser übliches Müsli aus Haferflocken, Rosinen, Äpfel, Milch. Dann radelten wir unbehelligt los.
Am schönen Sandstrand entdeckten wir die bunten Papageienvögel. Markus ging baden trotz des kalten Wassers. Auf der schmalen Küstenstraße, felsig auf und ab, hatten wir herrliche Ausblicke auf das Meer. In Timoleague, einem kleinen Dorf an der Courtmasherry Bay mit üppiger Pubszene, warfen wir einen Blick in die Ruinen der Franziskanerabtei aus dem 13 – 16. Jahrhundert. Einen Berg ging es noch hinauf und wieder hinab, dann erreichten wir Clonakilty, wo Markus's Lager im Bikeshop repariert wurden und Uwe einen neuen Mantel bekam. Am herrlichen Sandstrand – mit Sandbank – hielten wir vier Stunden Rast.
Über kleine Sträßchen, vorbei an blühenden Fuchsienhecken und üppigen Hortensien, an Schachbrettfeldern, über viele Hügelchen, nur nach der Himmelsrichtung haltend, hundeabwehrend, erreichten wir die Küste erst wieder in Castlefreke. Im kleinen Laden – inmitten von Blumen und angeschlossenem Museum – gab es Verpflegung trotz vorgerückter Stunde. Ein Wasserrad drehte sich, ein Hängebauchschwein graste, vorm Pub genoss man ein Guinness, alte landwirtschaftliche Geräte standen zur Besichtigung. Das gefiel uns. Auf der Höhe, mit herrlichem Ausblick nach zwei Seiten zum Meer, zelteten wir bei einem Bauern im Garten.
Abends gingen wir ins gemütliche Pub. Im Fernseher sahen wir dort die Überschwemmungskatastrophe in Sachsen.

14. Urlaubstag

Die ganze Nacht über muhte eine junge männliche Kuh: „mmmmmuh.“
Frühstück im Sonnenschein. Wir durften uns Milch schöpfen und der freundliche Bauer gab uns seine Adresse, damit wir ihm mal schreiben. Wir radelten nach Rosscarbery (6 km), unterwegs machten wir wegen eines (unter Wasser stehendem) Toilettenhäuschen am Meer 20 min Rast. 2 km weiter 40 min Pause wegen Platten (Markus).
Nun fuhren wir durch die felsige Heidelandschaft zum ausgebrannten Herrenhaus (Zutritt verboten). Am Steinkreis mit Meerblick gab es sogar eine historische Kochhöhle und Wasserleitung. Und jede Menge Touristen. Dann radelten wir hinab zum Meer. Oberhalb des Hafens von Glandore tranken wir im Sonnenschein Kaffee / Tee und holten dann mittels Kürzel am Meer die zwei deutschen Radwanderer wieder ein, die wir am Vortag am Bikeshop kennen gelernt und uns inzwischen dreimal überholt hatten.
 
Vor Skibbereen bogen wir rechts ab und radelten entlang eines Flusses ins Inland und Gebirge hinein. Und wieder hatte Markus einen Platten, jede Tankstelle wurde zum Luftaufpumpen angefahren.
Rechts des Weges lasen wir ein Schild: Wassermühle zu verkaufen. Wir sahen uns diese spontan an. Das Wohnhaus war wunderbar hergerichtet, aber das große Wasserrad war total verrostet. Uwe verliebte sich gleich in das Objekt und weiß jetzt, was er mal mit seinem Lottogewinn macht, falls er mal einen hat. 
Nach etwa 25 km erreichten wir die Küste wieder in Bantry. Entlang des erhöhten Marktplatzes war Markt. Nach Lebensmitteleinkauf und Schlauchwechsel fuhren wir die Küstenstraße weiter. 4 km vor Glengarriff hieß es Übernachtungsplatz suchen. Überall Felsen, Weide, Heidekraut. An der Küste unten stand ein ein Haus, dort wollten wir fragen. Im Garten des deutschen Paares durften wir gleich aufbauen.
 

 Aber zunächst sahen wir uns die Sammlung der über 1000 Fischerkugeln im Garten an. Und da wurde uns auch schon das Abendbrot hinaus gebracht: Gulasch, Kartoffeln, Brot und Saft. Die Aussicht vom Garten zur Küste war märchenhaft: felsige Ufer, kleine Inseln, Schiffe, Städte... Wir unternahmen einen Abendspaziergang zum Privatstrand.  Weil es zu dunkel war, konnten wir keinen Seehund mehr entdecken, aber gezappelt hat's.
Nachts regnete und stürmte es sehr.

15. Urlaubstag

Frühstück im Regen. Beim Aufbruch hatte Markus hinten einen Platten. So wurden wir noch zum Frühstück ins Haus eingeladen. Wir erzählten bis Mittag mit unseren Gastgebern, während es draußen weiter regnete. Wir bekamen ein Buch (mit Widmung vom Autor) geschenkt, eine Flasche Grapefuitkernextrakt (Thema eines Buches), Martina bekam ein vom Bestsellerautor geschriebenes Edelsteinbuch geschenkt und Markus Münzen. Uwe erhielt Fotos. Herzlich war der Abschied.
Kaum waren wir losgeradelt, ließ der Regen nach und die Sonne kam heraus. Unser Ziel war heute der „Ring of Beara“. Eine Halbinsel, die wie ein Finger ins Meer zeigt, wird von einer ca. 120 km langen Küstenstraße umrahmt, eben dem „Ring of Beara“. Nach 4 km Sonnenschein folgte ein kräftiger Regen, dann Sonnenschein (very hot) und wieder eine Dusche, dann Sonne. Martina lässt ja grundsätzlich gleich ihre Regensachen an, Carmen fast ausschließlich kurze Hose und Nicky, das trocknet bei der Wärme rasch. Uwe zieht sich öfters die Regenjacke an und aus und an und aus. Markus dagegen ist Konsequent: er behält immer an, was er am Morgen angezogen hat.
Wir fahren durch eine felsige und grüne Küstenlandschaft. Immer wieder geht es, manchmal auch recht steil, Hügel hinauf, von denen man traumhafte Aussichten hat auf das Meer.
Am Bootshaus gingen wir baden. Markus hatte einen Platten. Schlauchwechsel. Und wieder einen Platten, inzwischen der dritte am Hinterrad von Markus heute. Da fand Uwe nach langer Sucherei im Mantel einen winzigen Metallstachel. Hoffnung kommt auf, dass es der letzte Schlauchwechsel war. In Castletown Bere, einem schön gelegenen und hübschen Städtchen, sahen wir uns den größten Fischerhafen Irlands  an. Markus interessierten die Krabben im Netz, auch half er gleich mit beim Netzeinziehen.
Durch Zufall entdeckten wir 3 km abseits die Ruine von Bunboy Castle. Für 12 Euro durften wir sie besichtigen und im mehreren Quadratkilometer großen Gelände irgendwo zelten. 1875 wurde das Schloss gebaut. 1926 ist das Schloss abgebrannt. Es liegt auf einer malerischen Halbinsel. Die Fenster der Ruine, in der wir herumstöberten, waren prächtig, auch die Kamine und Marmorsäulen. Aber schönsten war aber der Meerblick. Im Wasser lag noch das kaputte Holzschiff des Schlossherren. 400 m weiter befindet sich eine 700 Jahre alten Burgruine, die auch noch zu besichtigen ist. Von dort blickt man zur bewohnten Insel „Bere Island“ und den auf den Leuchtturm. In den riesigen Rhodedendronbüschen des verwilderten Schlossgarten kletterte Martina herum, Markus wollte lieber das Schiff bergen.
Wir zelteten fürstlich im ehemaligen Schlossgarten, der Platz hat immer noch etwas ganz besonderes an sich.
Abends besuchten wir den Pub, wo Lifemusik war. Der Pub war proppenvoll, dreireihig standen bis 100 Leute, Jung wie Alt, an der Bar. Es war eine Superstimmung und auch uns hat das Guinness geschmeckt.

16. Urlaubstag

Die Sonne schien ins Zelt, als wir erwachten. Wir frühstückten königlich im Panorama des Dunboy - Schlosses. Weil es hier so schön ist, entschlossen wir uns, noch einen Tag zu bleiben und nur eine Rundtour zu unternehmen. 
Beim Losfahren hatte Markus wieder einen Platten! Wir radelten auf dem „Ring of Beara“ in Uhrzeigersinn weiter, das heißt, immer auf der Küstenstraße entlang. Dabei waren recht große Steigungen zu überwinden, die Gegend ist recht rau und felsig, imposant und anstrengend, aber mit herrlichsten Aussichten gespickt.
Wir trafen zahlreiche Radelgruppen, unter anderem ein Pärchen vom Vortag. Viele reisen hier nur mit kleinem Gepäck, folgen einer organisierten Route mit Schlafen in Pensionen und Gepäcktransfer.
Auf der R 572 fuhren wir nach Cahermore (Reifen flicken) und bogen dann nach Norden ab. Wir erreichten bei schönstem Badewetter nach insgesamt zwei Stunden Fahrt Allihies, wundervoll an einem Sandstrand gelegen. Da wurde lange Badepause gemacht, und Markus fand prompt eine Fischerkugel aus Metall.
Allihies ist ein winziges Anglerdorf mit bunten Häusern, zwei ebenso bunten Pubs und einem Supermarkt mit angeschlossener Tankstelle. Für Tankstellen haben wir inzwischen ein Auge, denn gewöhnlich hat da jemand einen Platten oder ein Löchlein, so dass Luft nachgepumpt werden muss. Für mich ist es praktisch, dass sich an jeder Tankstelle auch ein Kaffeeautomate befindet.
Es soll laut Führer hier im Ort Kupferminen geben, die auf eigene Gefahr besichtigt werden können. Oben am Berg erahnten wir sie, und wir schoben auf der Suche nach den Gruben immer weiter die Räder den Berg hinauf. Fast droben fanden wir tatsächlich eine Grube, sie war aber unüberwindbar eingezäunt. Inzwischen waren wir wohl 400 Höhenmeter hinaufgestampft und konnten Land und Meer von der Vogelperspektive betrachten. Einmal oben meinten wir, die sich an der Küste der Halbinsel „Cod’s Head“ schlängelnde Straße unheimlich abzukürzen zu können, wenn wir auf der anderen Seite des Berges wieder irgendwie hinunterfahren würden. Selbst als der Straßenbelag langsam wechselte von rennfahrradtauglich über tourenfahrradtauglich bis gerade noch Mountenbiketauglich, sprach nur Uwe mal von Umkehren. Richtungsmäßig lagen wir auch völlig richtig, und, als wir über dem Kamm waren, sahen die
ganze Landschaft in die andere Richtung hin (nach Norden) traumhaft schön ausgebreitet zu unseren Füßen. Vor uns war das Meer und das Band der Straße und die kleinen Autos darauf und die kleinen Schäfchen neben den kleinen Häuschen. Der Weg allerdings da hinunter war übelst steil und steinig. Es war ein Anti - Ruthl - Weg hoch zwei. Irgendwie sind wir aber dann doch hinuntergekommen. Kurz vor Eyeries bogen wir wieder nach Süden ab und fuhren von der nördlichen Küstenstraße übers Gebirge zur südlichen Küstenstraße. Nach nur 10 km erreichten wir so wieder unseren Ausgangspunkt Casteltown Bere. Hier setzte sich Markus ab, sagte, er wolle zum Zelt. Aber er wollte zum Schiffsfrack schwimmen, dass im ehemaligen Schlosshafen lag, und es bergen. Martina, Uwe und ich gingen noch Einkaufen und Kaffeetrinken. Auf dem Rückweg lernten wir einen Italienischen Radfahrer kennen und nahmen ihn gleich zu unserm Zeltplatz mit. Der junge Maschinenbauer aus Rom ist zwei Monate mit dem Rad durch zahlreiche Länder unterwegs. 
An der Schlossruine grillten wir uns die gekauften Bratwürste an Stöcken. Dabei saßen wir auf historisch gehauenen Steinen, die mal jemand aus dem Schloss geschleppt hatte. Bevor malerisch die Sonne unterging, konnten wir einen riesengroßen Regenbogen beobachten, der sich im Meer spiegelte.
Schon im Dunkeln fuhren wir mit den Rädern ins Städtle und gingen zum Pubmusik. Auch der Italiener kam mit uns. Weil es uns aber die moderne Musik nicht so gefiel, unternahmen wir noch einen Nachtspaziergang zum Hafen.

17. Urlaubstag

Die Sonne verwöhnte uns schon zum Frühstück.
Auf der vom Vortag bekannten Stecke radelten wir von der südlichen zur nördlichen Küstenstraße. Indem wir weiter dem „Ring of Beara“ folgten, durchquerten wir das malerische Fischerdorf Eyeries, dass mit seinen kleinen bunt bemalten Häuschen auf Irlandansichtskarten passen würde. Einige Kilometer ostwärts entdeckten wir durch Zufall den größten bekannten Stein (5,18 m hoch) mit Ogham - Inschriften. Aber nur weil der Stein auf Privatgrundstück stand, wir Eintrittsgeld zahlen mussten und dafür ein Papier bekamen, wissen wir von der Inschrift, denn sie war kaum zu erkennen. Der „Ogham Stone“ soll in der Zeit zwischen 700 und 800 vor Christi aufgestellt worden sein. Die Inschrift lautet: „Macci, son of Decadda, Grandson of Torrani“.
Da uns ein Steinkreis täglich nicht reichte, besuchten wir noch den „Cashelkeelty Stone Circle“ (Namen vom Wanderschild abgeschrieben) hoch auf dem Berg. Die Räder ließen wir unabgeschlossen an der Straße, das wir den Kreis viel näher wähnten. Es waren aber dann 1,8 km. Von oben hatten wir einen schönen Blick auf das Meer, und es gab auch gleich zwei Steinkreise in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Landschaft war dort so felsig und trotzdem anmutig, die Sonne schien warm, sogar Bäume gab es dort. Am liebsten wäre ich da am murmelnden Bach sitzen geblieben und hätte wie ein Kind am Wasser gespielt. Aber die unbewachten Räder ließen uns keine Ruhe, so dass wir rasch zurück liefen. Alle Sachen fanden wir komplett vor.
Über felsige Berge ging es so steil hoch, dass wir uns auf den Weg zu den Drei Zinnen wähnten. Mit herrlichen Aussichten wurden wir belohnt. An zahllosen Schafweiden ging es vorbei. Als ich einmal etwas vornweg fuhr, entdeckte ich ein kleines Schaf, dass seinen Kopf im Metallzaun eingeklemmt hatte. Trotz der Sonne war das Schaf ganz nass und auch hungrig, da es das erreichbare Gras schon weggefressen hatte. Mit Martina holte ich Gras, das es begierig, aber scheu fraß. Endlich kamen unsere Männer angeschnaubt. Irgendwie wollten wir das Schaf befreien. Nach einiger Zeit hatte Uwe es beruhigt und hielt ihm den Kopf fest, während Markus den Stahldraht des Zaunes mit einem halben Sägeblatt durchsägte. Befreit sprang das Schaft weg, hielt kurz inne, drehte sich noch einmal nach uns um und sagte :“Mäh“. Dann lief es zur Mutter, dass es freudig begrüßte.
Eine über 10 km lange Abfahrt führte uns zurück zum Meer. 18 Uhr erreichten wir Kenmare. Kenmare ist Ausgangspunkt des noch berühmteren „Ring of Kerry“, und die Touristen verursachen heute ein Verkehrschaos. Wir kauften im Supermarkt ein und aßen anschließend im winzigen Stadtpark, der kaum den Verkehrlärm abhielt, wieder alles auf.
10 km ging es nun auf einer von felsigen Schafweiden eingefassten Straße recht steil in der Abendsonne bergauf. Die Aussicht wurde mit jedem Höhenmeter prächtiger. Uwe war bester Laune und machte bei jedem vorbeifahrendem Auto „Mäh“, was er richtig echt bringt. Kurz vor dem Pass erhielt er Antwort, denn hinter der Kuppe betrachteten Deutsche die Aussicht. Nach kurzem Halt fuhren wir Richtung Killarney bergab. Rechts der Straße fanden wir eine kurze Einfahrt zwischen Felsen, wo das Zelt Platz hatte. Da wir uns im oder nahe des Nationalparkes befanden, war es mit dem Zeltplatz schwierig.
In der Abendsonne aßen wir die üblichen Instantnudeln mit irischen Weißbrot. Erst der mit Sonnenuntergang stattfindenden Stechfliegeninvasion bauten wir das Zelt auf. Als wir gerade zum Abschluss ein Guinness aus der Büchse genießen wollten, kam Joe, der Besitzer der Weide. Er hatte zwar uns gesehen, aber nicht die zwei großen Steine, die Uwe in die Einfahrt gelegt hatte, damit Autos nicht unbemerkt einfahren. Joe war sehr freundlich, und bei seiner Abfahrt fuhr er mit seinem Bodenblech noch einmal über die Steine. Dann legte er sie zur Seite.

18. Urlaubstag

Die Sonne schien uns schon am Morgen aufs Zelt. Wir haben fast bis 8 Uhr geschlafen. Die Beißfliegen kamen, als wir aus dem Zelt traten, zu Tausenden zum Frühstück. Martina kletterte mit ihrem Müsli auf einen Felsen. Das waren weniger Stecher und die Aussicht zum Tal mit den Seen noch schöner.
Wir hatten am Rand (oberhalb) des Killarney - Nationalparkes geschlafen und fuhren nun richtig hinein. In einem der klaren Seen, umfasst von Felsen und Hügeln, gingen wir baden, um unsere Mückenstiche zu kühlen.
Auf der Weiterfahrt wurden wir ständig von Oldtimer - Motorrädern überholt, die uns sämtlich freundlich grüßten. Wahrscheinlich fanden sie sich uns verwandt.
 

In Killarney (15 km) stellten wir die Räder wie üblich am Touristenbüro ab und unternahmen einen Spaziergang durch die Stadt. Den Kindern gaben wir Ausgang, aber sie wollten uns nicht von den Fersen weichen. Sogar ins Pub verfolgten sie uns und bekamen dann natürlich auch etwas zu trinken.
Killarney ist die „touristische Hauptstadt“ Irlands. Dabei ist der Ort (7700 Einw.) eher abschreckend, nämlich eine Aneinanderreihung von Andenkenläden und Schnellrestaurants.
Nun mussten wir uns aber sputen, denn bis bis Mittag nur 15 km gefahren zu sein, ist zu wenig. Auf der N 72 kamen wir nun recht schnell entlang des Blackwater - Tales voran. 4 Stunden und 65 km später erreichten wir Mallow. Hier wurde Verpflegung aufgefüllt und noch ein kleiner Stadtbummel unternommen.
Heute war ein hochsommerlich warmer Tag, und tatsächlich hat uns kein einziger Regtentropfen benetzt. Wir radelten noch 14 km weiter bis Killavullen. Beim ersten Fragen durften wir an einem kleinen Haus mit Garten auf dem gepflegten Rasen unser Zelt aufbauen. Es gab sogar extra für uns Waschbecken und Toilette.
Heute sind wir 94 km geradelt, insgesamt 1094 km.

19. Urlaubstag

In der Nacht fuhren die Autos im Hof des Hauses zigmal ein und aus. Ich weiß nicht, warum.
Und wieder ein sonniger Tag. Über klitzekleine, steigungsreiche Strässelchen fuhren wir nach Fermo, einem Anglerzentrum im Blackwatertal. In der Stadt fanden wir nicht so richtig das Zentrum und pausierten an der katholischen Akademie. Ein netter Anwohner brachte uns Tee zur Bank und seine Frau Muffins.
Auf der Schnellstraße ging es schnell nach Lismore. Markus raste dank Grapefuitextrakt voran. Markus war nämlich an den letzten Tagen recht schlapp gewesen, deshalb testeten wir an ihm Herrn Baginskis Wundermittel. Aber hinterm Rad von Markus stinkt es wie ein alter Fischerkahn.
Er hat da irgendwelche Krebse eingewickelt. Auf dem Gepäckträger hat er zwei etwa 10 kg schwere Teile eines Efeus aus dem Schloss Dunbay gepackt, die kosten ihm auch Kraft.
In Lismore brachte man uns vom Fremdenverkehrsamt eine Kopie von der Stadtbeschreibung gleich hinaus. Im Park hielten wir in der Sonne Picknick. Auf unserer Weiterfahrt im Blackwatertal genossen wir noch einmal die malerische Kulisse der Stadt mit der schwarzen großen Burg. Die Lage ist die Hauptattraktion des Ortes, denn der Blackwater ist ein Fluss wie aus dem irischem Bilderbuch, weitgehend unbefestigt, mit bewachsenen Ufern und naturbelassen.
2 km östlich von Dungarvan erreichten wir wieder das Meer. Wir fragten bei einem schönen Haus nach einem Platz für unser Zelt und durften direkt an der Grundstücksgrenze am herrlichsten Sandstrand zelten. Da die Sonne noch schien, gingen wir gleich baden und fanden am Strand Hühnergötter. Wir picknickten fürstlich oberhalb des Strandes mit Blick auf das Meer. Es hatte es wohl keiner schöner als wir! Dann tranken wir noch eine wirklich gute Flasche Wein, während der Sonnenuntergang das Meer rot und lila färbte. Dann machten wir eine Flaschenpost, und Markus brachte sie trotz des kalten Wassers schwimmend ganz weit hinaus ins Meer.
Heute sind wir 80 km (insg. 1176 km) geradelt. Wir zelteten nur 150 m von einem riesigen und teueren Zeltplatz entfernt. Zum Glück wussten wir das vorher nicht, denn da hätten wir uns bei dem Haus nicht zu fragen getraut und es längst nicht so schön gehabt.

20. Urlaubstag

Die Kinder schliefen bis 9 Uhr und wollten dann noch immer nicht aufstehen.
Nach einem Morgenbad im Meer und Frühstück mit Meerblick kamen wir erst spät los und hatten gleich einen Platten (Hänger). Das Schlauchwechseln durch Markus dauerte eine Stunde. Ein Brombeerstachel war die Ursache.
Auf der kleine Küstenstraße radelten wir bis Bunmahon und badeten stundenlang am herrlichen Sandstrand. Die Kinder holten handgroße Steine und pflasterten einen Weg auf den Strand.
Weiter ging es auf der kurven- und steigungsreichen Küstenstraße zum hässlichen Urlauberort Tramore. Da war uns schon der kurze Aufenthalt wegen Geldabholen zu viel. An der Küste fuhren wir weiter auf kaum befahrenen Straßen Richtung Passage East. Im abseits gelegenen „Murphis Pub“ kehren wir ein und aßen gut zu Abendbrot. Im Pub war schöne Stimmung und die Knoten von der Wand wurden nachprobiert.
4 km weiter durften wir, vom Guinness schon recht müde, unser Zelt bei einem kleinen Haus aufbauen, und dann gingen wir 10 min später schlafen.

21. Urlaubstag

Abfahrt um 9.15 Uhr. Entlang einen schönen Küstenstraße radelten wir die 8 km bis Passage East und setzten mit der Fähre über den Waterford Harbour. Hier sind wir ja auch bei der Hinfahrt vorbei gekommen, und alles schaut schon sonderbar vertraut aus. 4 km weiter an der Küste liegt Duncamon. Dort war gerade „Sandfestival“, und wir konnten in einem Zelt am Strand die Sandskulpturen eines Holländers und von zwei Iren bewundern. Dann gingen wir am sauberen Strand baden und besuchten das 250 Jahre alte Ford. Uwe kaufte Martina und mir eine irsche Edelsteinkette.
In sommerlicher Hitze radelten wir die 15 km bis Wellington Bridge und nach einer Mittagspause weiter Richtung Küste, wo wir vor einem kleine Pub Kaffee / Tee tranken und Knoten übten.
In Churchtown fuhren wir zum Sandstrand und lagerten am kleinen Fischereihafen. Da war immer was los: Angler, Springende Hunde, Boote wurden ins Wasser gelassen, riesige Krabben... Ein netter Angler schenkte uns 4 große Makrelen. Mangels Salz kochten wir sie in Meerwasser gar, und sie schmeckten vorzüglich. Jeder der vorbei kam, beneidete uns um das Mahl.
Bei Sonnenuntergang suchten wir eine versteckte Wiese auf, wo wir gut schliefen.
Heute sind wir 63 km gefahren (insgesamt. 1294 km).

22. Urlaubstag

Wir frühstückten nochmals an dem schönen Hafen und machten uns dann auf Richtung Fährhafen Rosslare. Unterwegs kauften wir Verpflegung, um nicht von der Bordversorgung abhängig zu sein.
Das Einchecken klappte auch gut. Ein Bus mit deutschen Luxus - Radfahrern stand hinter uns und gab uns einen Kaffee aus. Auf dem Schiff besetzten wir eine gemütliche Ecke im Leseraum. Der Schowroom mit attraktiven Darstellern faszinierte vor allem Markus, als ein Künstler in einen Luftballon hineinschlüpfte. Bis weit nach Mitternacht spielten die Musikkapellen. Am nächsten Morgen auf dem Schiff traf Carmen den Reiseleiter der Luxus-Radfahrer. Er hatte uns am abends schon gesucht, um uns noch Speisemarken zu geben. Obwohl wir gerade gefrühstükt hattten, ging Carmen mit Markus in das Restaurant und verzehrten noch eine volles „Standartfrühstück“. Bald wurde alles unruhig, da der Zielhafen nicht mehr weit war. Auch wir stiegen hinab und lösten die Stricke, mit denen wir die Räder gegen Verrutschen gesichert hatten. Nach kurzer Zeit radelten wir neben den PKWs aus dem riesigen Rumpf der Fähre und steuerten unseren Skoda an, der eingestaubt aber unversehrt dastand. Nach einer Stunde etwa war alles verpackt und die Autofahrt Richtung Paris begann.
Die Müdigkeit überwältigte uns, so dass wir statt Paris erst einmal einen Schlafplatz aufsuchten. Eine Wiese für das Zelt war bald gefunden, daneben luden saftige Pflaumen zum Schmaus ein.

23.  und 24. Urlaubstag

Versorgt mit einem Beutel Pflaumen machten wir uns nach Paris auf und kamen auch gut in die Stadt hinein.
An der Seine fanden wir einen kostenlosen Parkplatz im Wohngebiet und fuhren mit der Metro zum Eifelturm. Leider regnete es.
Da wir relativ zeitig waren, waren hier noch nicht so viele Touristen unterwegs. Man konnte den Aufstieg wählen zwischen Treppe und Lift. Wir nahmen (natürlich) die Treppe.
Es war ein erhebendes Gefühl, das berühmte Bauwerk zu erklettern. Der Aufstieg zwischen den Streben mit freier Aussicht nach allen Seiten einschließlich unten machte mich schon etwas ängstlich und schwindlig. Als die erste Plattform erreicht war, war ich schon recht froh. Da bemerkten wir, dass wir uns beim Festhalten am Geländer die Hände und Pullover ganz rostig gemacht hatten. In der Toilette trafen wir andere Leidensgenossen. Ich hatte meine neue Bluse erstmals und wahrscheinlich letztmalig an.
Von der zweiten Plattform aus fuhren wir mit dem Lift nach ganz oben und bewunderten ausgiebig von oben die Weltstadt.
Inzwischen hatten wir Markus verloren uns zogen allein weiter. Mit der Metro ging's ins Zentrum und dann mit Stadtführer durch die Stadt. Am berühmten Luovre mit Glaspyramide gingen wir unterirdisch einkaufen und Martina bekam ihren Lederhut. Essen waren wir in einem internationalen Gaststättenkomplex. Wir besichtigten skuriele Kunstwerke, z. b 300 Streifensäulen, teure Luxusbutiken, Passagen. Aus verschiedenen Straßencafe’s betrachteten wir die Sehenswürdigkeiten der Stadt, bevor wir mit der Metro zum Auto zurückfuhren, wo Markus wartete.
Beim Verlassen der Stadt verfuhren wir uns sehr und mussten doch noch einen Autoatlas kaufen. Dafür suchten wir extra ein riesiges Einkaufszentrum auf, wo wir gleich etwas zu Abend aßen.
Wir fuhren noch 200 km mit dem Auto und übernachteten noch einmal. Nur 1 km neben der Autobahn fanden wir eine verlassene Seitenstraße mit einer Einfahrt, wo wir bis zum Morgen ruhig schliefen.
Am späten Vormittag erreichten wir ohne Zwischenfall Cottenau.

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